Cummin – ein verschwundenes Dorf
Wüste Dorfstellen, interessante Geschichte
"Auf der heutigen Feldmark Tessenow befinden sich mehrere wüste Dorfstellen. Das ist zum einen das Tessenowsche Vorgängerdorf Kummin an der Mooster, die Siedlung Mühlenberg an der Straße Siggelkow-Suckow, die „alte Dorfstelle“ Tessenow an der B-321 und ein nur urkundlich bekannter Ort Bergrade, der archäologisch bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Kummin und Mühlenberg sind die Ortschaften, die zuletzt aufgegeben wurden, Mühlenberg erst nach 1950. Mythen und Geschichten blieben erhalten, aber so richtig weiß keiner mehr Genaueres zu berichten." So schreibt Burkhard Keuthe, ausgewiesener Kenner der hiesigen Heimatgeschichte und Autor wichtiger Schriften dazu.
In einer Urkunde aus dem Jahr 1238 wird als „Cummin“ in Verbindung mit einem See „Sabelke“ (heute wahrscheinlich der Sabel-See) genannt. Die Siedlung in der Nähe von Siggelkow soll zu den Besitzungen des Klosters Dünamünde (später Reinfeld) gehört haben.
Eine Windmühle soll es hier gegeben haben, man sieht weit und breit nichts mehr davon. Das ist schade, dass es so wenig Überliefertes aus dem Mittelalter gibt. Aber jetzt schauen Sie sich um und genießen dieses flache Land, ein eher kleiner Hügel sollte Ihren Blick nicht entgehen. In einer Urkunde aus dem Jahr 1238 wird als „Cummin“ in Verbindung mit einem See „Sabelke“ (heute wahrscheinlich der Sapel-See). Es lag an der Grenze, in der Nähe von Siggelkow, und gehörte zu den Besitzungen des Klosters Dünamünde (später Reinfeld).
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Aus den Sagen:
Der Geist von Cummin
Am Weg von Tessenow nach Gr. Pankow, direkt an der Mooster, lag das Dorf Cummin. Es soll schon lange her gewesen sein, wohl im Dreißigjährigen Krieg, da trieb en die Cumminer einen aus ihrem Dorf, weil er die Leute dort schon lange drangsaliert hatte. Vor lauter Angst lief er in ein nahe gelegenes Moor (heute Postmoor genannt) und kam darin elendig um. Lange Zeit hatten die Cumminer Ruhe vor ihm, doch dann geschah es. Als eine Frau des Abends von Gr. Pankow nach Cummin heimkehrte, musste sie an dem Moor vorbei. Da stand er auf einmal vor ihr. Er war wie ein Geist an zusehen, tief in den Höhlen liegende Augen, die Zähne bleckend und die Kleidung voller stinkiger Moorpflanzen und Schlamm. Vor lauter Schreck schrie sie auf und rannte sogleich in das naheliegende Dorf, um Hilfe zu holen. Die ausgeschickten Männer fanden ihn trotz eifrigen Suchens nicht. Aber aus dem Moor erklang die ganze Zeit über ein lautes Stöhnen und Seufzen. Das kann nur der Geist gewesen sein. Vor allem in warmen Sommernächten konnte man Sein Klagen weithin hören. Seitdem ging keine Frau mehr diesen Weg allein. - Herr Wegner, Mühlenberg/ Canada
Die Schlange im Cumminer Holz
Dicht am Cumminer Holz war früher ein See. Wenn die Cumminer Mädchen ihre Wäsche gewaschen hatten und sie zum Bleichen und Trocknen auf den danebenliegenden Wiesen ausbreiteten, kam aus dem Cumminer Holz der Schlangenkönig mit seiner goldenen Krone gekrochen. Die war so fein, dass sie viel wertvoller war als eine Königskrone. Die Krone legte er dann auf einem der weißen Wäschestücke ab. Keines der Mädchen getraute sich jedoch, die Krone wegzunehmen, denn das hätte zu einem schlimmen Ende geführt. - Wossidlo; Archiv
Aufhockersage
Das Dorf Cummin ist längst verschwunden. Keiner weiß mehr so richtig, wo es lag und vor allem, wo seine Gastwirtschaft stand. In den Wintermonaten, wenn die Arbeit auf Dorf Cummin ist längst verschwunden. Keiner Hof und Feld getan war, vergnügte man sich des Öfteren, beim Kartenspielen, in eben diesen Krug, wozu auch Gäste aus Siggelkow hierher kamen. Nun erzählte man sich, das am Cumminer Weg vor Siggelkow ein Uphocker lauerte. Wenn dann die Kartenspieler feuchtfröhlich in der Nacht heimkehrten, sprang er ihnen auf den Rücken und ließ sich bis zu deren Haustür tragen. Erst dort verschwand er wieder. - Slg.Augustin
Aus dem Buch "Historische Fernwege – Siggelkower Sagen und Geschichten
von E. Schudlich
Siggelkower Fußwanderwege
Einen besonderen Nutzungscharackter hatten die Fußwanderwege, sie verkürzten die Ortsverbindungen erheblich. Genutzt wurden sie hauptsächlich aus beruflichen, schulischen – oder religiösen Gründen. Einen solchen Weg gab es zwischen Siggelkow und Kummin bis Malow. Seine Entstehungszeit und größte Bedeutung erlangte er in der Zeit nach dem 30 jährigen Krieg, als in Siggelkow die Pfarrstelle unbesetzt blieb und in Cummin die erste Glashütte errichtet wurde, bis hin zum Untergang des Dorfes Cummin im 19. Jahrh. Dieser Weg ist als Kirchsteg bekannt und wurde in beiden Richtungen von den Kumminern, Malower, Mühlenbergern und Siggelkowern benutzt. Nachweislich gingen die Schulkinder aus Malow, Cummin, Mühlenberg und Zachow in Siggelkow zur Schule und haben sicher diesen Weg benutzt. Der Fußweg führte nämlich vom Küsterhof in Siggelkow immer am linken Ufer des Mooster - Urstromtales direkt auf dem Leinpfad entlang über Mühlenberg bis Cummin. In den Siggelkower- Hauskoppeln befanden sich zu diesem Zweck, in einer Flucht gelegen mehrere Drehkreuze in den Zäunen um die eingefriedeten Weiden mühelos zu durchqueren. Diese Baumerkmale waren bis in die 50-iger Jahre des20.Jh. zu sehen. Die weitere Wegführung ging zwischen dem Moosterbach und Behrends-Tannen (Höhe der Schafanlage) in Richtung Mühlenberg. Hier zeugen noch einige Flurnamen, wie Kirchsteg-Busch östlich von Mühlenberg, so wie beim Kirchsteig (süd.-östl.) von Mühlenberg von dem Bestand eines Wanderweges.
Der Moskowiter Weg
Durch Cummin zog sich eine alte Landstrasse, die jetzt fasst vergessen ist. Sie führte von Grabow, Gr. Godems und Cummin nach Lübz und Wittstock. Am Ortsrand von Cummin überquerte sie mit einer Brücke die Mooster. Dieser Weg, bis in den Russenwald,
heißt Moskowiter-Weg (Moskowiter-russischer Volksstamm) , weil über ihn einst die Moskowiterarmee hinweg gezogen ist.
- Slg. Gerber
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Die Urkunde vom 17. Juli 1238
Die genannte Urkunde stammt vom 17. Juli 1238 und wurde von den Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg ausgestellt. Sie dient der Bestätigung und Übertragung des Eigentumsrechts (proprietas) an das Kloster Dünamünde über umfangreiche Ländereien in Mecklenburg, speziell in den Dörfern Siggelkow (52 Hufen) und Zachow (30 Hufen). Bis dahin hatten die Markgrafen als Oberlehnsherren nur Lehnsrechte (iure feodali) inne, die zuvor bei den Grafen von Schwerin oder Danneberg lagen.
Der historische Kontext: Diese Übertragung klärte strittige Lehns- und Hoheitsrechte in einer grenznahen Region (zwischen Mecklenburg, Brandenburg und Pommern), die oft umkämpft war. Das Kloster Dünamünde hatte die Güter bereits früher erworben (Hauptbesitz vor 1228), und die Urkunde sicherte den vollen Eigentumsanspruch ab. Sie ergänzte eine Schenkung von 1235 durch Graf Gunzelin III. von Schwerin (12 weitere Hufen in Siggelkow als Schadensersatz).
Erwähnung von „Cummin“ und „See Sabelke“
In dieser Urkunde wird der See Sabelke (auch „lacus Sabelke“) als Grenzpunkt der Besitzungen von Siggelkow erwähnt – bei Cummin an der Grenze. Cummin (oder Kummin) wird hier als benachbarte Wüstung (bereits damals oder kurz darauf verlassen) genannt, östlich von Siggelkow gelegen. Der See Sabelke ist der heutige Zapel-See (auch Zabel-See genannt), an der südlichen Grenze der Feldmark Siggelkow. Aus dem See floss der Grenzbach Sabele (später erwähnt in Urkunden von 1270), der die Besitzgrenzen markierte. Diese Erwähnung ist eine der frühesten schriftlichen Belege für die Existenz von Cummin als Siedlung (oder deren Feldmark) und macht die Urkunde zu einer Schlüsselquelle für die Lokalisierung der Wüstung.
Echtheit und Quellenlage
Die überlieferte Ausfertigung der Urkunde gilt als gefälscht in der Form (z. B. falsche Datierungselemente oder Siegel), was im Mittelalter häufig vorkam, um Rechte nachträglich zu sichern. Der Inhalt wird jedoch von Historikern als zuverlässig eingestuft, da er mit anderen Urkunden und zeitgenössischen Verhältnissen übereinstimmt. Die Urkunde ist gedruckt in:
- Codex diplomaticus Brandenburgensis (herausgegeben von Adolph Friedrich Riedel, Band I, S. 20, Nr. 29).
- Weiteren Sammlungen zur livländischen und mecklenburgischen Geschichte (z. B. Mitteilungen der Gesellschaft für Geschichte der russischen Ostsee-Provinzen, Riga 1843).
Die detaillierte Analyse und Zitate stammen vor allem aus dem Aufsatz von Georg Christian Friedrich Lisch: Die Besitzungen des Klosters Dünamünde in Meklenburg (in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 14, 1849).
