
Bemerkenswerte Lesung
So mancher hatte einen Kloß im Hals, auch für Tränen musste man sich nicht schämen. So eindringlich war die Lesung „Kriegserinnerungen“ von Katja Engler kürzlich in der Siggelkower Kirche. Bemerkenswerte und sehr ehrliche Einblicke haben wir nun dank der Interviews von jener wahrlich nicht leichten Zeit in Redlin, Klein- und Groß Pankow, Neuburg und Siggelkow, die so in Geschichtsbüchern nicht zu finden ist. Denn es geht um die Menschen hier vor Ort! Wer die Lesung verpasst hat, sich aber dennoch für die Ergebnisse der Interviews von Katja Engler interessiert, kann sich gern melden. Die kompletten Protokolle liegen auf Anfrage in der Chronikgruppe zur Einsicht bereit. Kontakt: chronikgruppesiggelkow@gmail.com oder Telefon: 0173 760 70 93. LN
Lesung "Kriegserinnerungen“ in Siggelkower Kirche
Hunger, Flucht, Vertreibung, Leid und Verlust: Der Zweite Weltkrieg hatte extreme Auswirkungen auf alle Menschen, die bis heute spürbar sind. Gesprochen wurde darüber oft wenig. Die, die den Krieg erlebt hatten, versuchten, nach vorn zu schauen und mit den veränderten Lebensumständen fertig zu werden. 1944 lebten in Siggelkow 462 Menschen, bis 1948/49 hatte sich ihre Zahl verdreifacht.
Als Mitglied der Chronikgruppe des Zukunftsvereins hatte ich die Idee, die letzten Zeugen jener Zeit persönlich aufzusuchen und nach ihren Erinnerungen zu befragen. Für die, die Genaueres wissen möchten und für die, die später danach fragen werden. 14 Gespräche habe ich bis heute in unserer Gemeinde geführt und in einer Lesung zusammengefasst, die am 20. März erstmals öffentlich zu hören ist. Die kompletten Protokolle liegen auf Anfrage in der Chronikgruppe zur Einsicht bereit. Kontakt: chronikgruppesiggelkow@gmail.com oder Telefon: 0173/760 70 93.
Auf vielen Bauernhöfen waren die Frauen allein mit der ganzen Wirtschaft, weil ihre Männer an der Front waren. Sie arbeiteten knüppelhart, versorgten meist mehrere Kinder und nahmen gegen Ende immer mehr geflüchtete Menschen auf, die alles verloren hatten. Was trotz schwierigster Umstände alles gelang, weil sich viele ihre Menschlichkeit bewahrt hatten und überall mit anpackten, wie es Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen erging -- das erzählen die Menschen aus unseren Dörfern, die damals Kinder oder Jugendliche waren.
Einige bekamen besonders viel mit, weil sie Hunger hatten, hart arbeiten mussten und überall nach Essbarem suchten. Alle sperrten ihre Ohren auf, um die Zwischentöne mitzubekommen, die der damaligen Einteilung in Freund und Feind widersprachen oder sie bestätigten.
Unsere Zeitzeugenberichte ersetzen kein Geschichtsbuch, ergänzen aber die dort befindlichen Fakten und korrigieren sie teilweise. Es entsteht ein Bild von jener Zeit in Redlin, Klein- und Groß-Pankow, Neuburg und Siggelkow, das sonst nirgendwo zu finden ist. Katja Engler


