Die Franzosenbrücke
Wenig zu sehen, viel Geschichte ...
Aus der Siggelkower Chronik eine etwas längere Geschichte zur Franzosenbrücke und der Umgebung, das ist aber wichtig, um die damalige Zeit und den Ort einordnen zu können.
Franzosenzeit, Befreiungskrieg und Nachkriegszeit (1806 – 1820)
Über die „Franzosenzeit“, mit der umgangssprachlich die Besetzung Mecklenburgs und Vorpommerns durch französische Truppen nach ihrem Sieg1806 über die preußische Armee bezeichnet wird, liegen für unsere Region nur sehr spärliche Nachrichten vor.
Das mag zum großen Teil damit zusammenhängen, dass sowohl der Einmarsch und später die Verteilung der französischen Truppen unsere Region kaum betrafen.
Mit zunehmender Dauer der französischen Besatzung machte sich allerdings bald eine allgemeine gereizte Stimmung gegenüber den Besatzern bemerkbar. Die Getreidepreise, die unmittelbar nach der Besetzung wegen der großen Nachfrage um ein Vielfaches
gestiegen waren, fielen nach der Verkündung der Kontinentalsperre ins Bodenlose und als gar 1810 die Ausfuhr jeglicher Landeserzeugnisse verboten wurde, weil alles an die Franzosen abgeliefert werden sollte, geriet die gesamte Wirtschaft in Chaos und wach-
sende Verarmung. „Der Andrang der Bettler und Vagabunden nimmt derart überhand“, klagte ein Boizenburger Beamter, dass die Landbewohner für ihr Eigentum und selbst für ihr Leben keine Sicherheit haben“.
Als die Franzosen in Vorbereitung auf den Rußlandfeldzug sogar begannen, die Abgaben auch mit Gewalt einzutreiben und auch
Soldaten anwerben wollten, schlug die Stimmung in Erbitterung und offene Feindschaft um. Marodierende Banden, denen sich zum Teil desertierte Soldaten angeschlossen hatten, trieben sich bei Grabow, Neustadt und Parchim herum, aus Lübz wurden schwe-
re Missetaten der französischen Kavallerie beim Eintreiben von Lebensmitteln und Futter beklagt .
Möglicherweise stammt aus dieser Zeit auch die Sage, wie sich die Siggelkower im Zusammenwirken mit den Groß Pankowern zur Wehr zu setzen vermochten. Von K. Augustin ist sie 1935 folgendermaßen überliefert worden:
Wenn die Feinde aus Richtung Pankow anrückten, läuteten die Pankower verabredungsgemäß die Kirchenglocken. Darauf griffen die Siggelkower zu Dreschflegeln, Sensen und Heugabeln. Kleine Trupps der Feinde wurden überwältigt und, um alle Spuren zu verwischen, getötet und verscharrt. Noch heute erzählt man sich, dass an der Franzosenbrücke, die früher am Pankower Wege, 1 km vor Siggelkow sich befand, acht Franzosen erschlagen und beerdigt seien. Von den Entflohenen wurden noch sechs vor
Neuburg gefasst. Diese wurden ebenfalls erschlagen und in der Ellernkuhle (oder Franzosenkuhle) daselbst verscharrt.
In der Chronik von Groß Pankow wird außerdem darauf hingewiesen, dass man beim Bau der Wasserleitung des Dorfes in der Nähe des Friedhofs auf die Skelette von insgesamt 8 Personen gestoßen sei.
Anfang 1812 waren die Vorbereitungen Napoleons für seinen Überfall auf Russland abgeschlossen. Das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin, welches 1808 dem Napoleonischen Rheinbund beigetreten war, hatte ein Kontingent von 1700 Soldaten für die Teil-
nahme an diesem Feldzug zu stellen. Aus Siggelkow sollen 9 eingezogene Männer in das aufgestellte Regiment eingegliedert worden sein. Namentlich belegt ist aber nur die Teilnahme des damals 20jährigen Jochen Redlin von Hufe Nr. 15 (jetzt Familie Hell) an
dem Feldzug. Von seinem Regiment sollen ganze 118 Mann überlebt haben. Dass Jochen Redlin zu diesen Glücklichen gehört hat, musste deshalb wie ein Wunder erscheinen. Die Sage berichtet darüber folgendes :
Als Napoleon nach Russland zog, mußten auch aus Siggelkow neun wehrfähige Männer mit. Darunter war auch Jochen Redlin von Bauernstelle Nr. 15. An der Beresina wurde er flüchtig und entlief dem Heere Napoleons. Er wanderte nur des Nachts. Bei
Tage hielt er sich in den Wäldern verborgen und lebte hier von Wurzeln und Beeren. Wochenlang schlich er so durch die russische Einöde. Seine Angehörigen harrten mit banger Sorge seines Schicksals und befragten das „Erbbuch“. Auf diese Weise erfuhr die Familie des Bauern, dass er heimkehren würde und daß der Hund zuerst sei ne Ankunft verraten würde. Als die Angehörigen fünf Tage vor Weihnachten beim Abendessen sind, läuft der Hund den Garten hinab und bellt laut. Auf einmal ist er still, und man hört nur noch ein Winseln. Die Hintertür geht auf und auf der Schwelle steht der so sehnlichst Erwartete.
Kaum einen Monat später, im Januar 1813, tauchten dann auch die jämmerlich anzusehenden Reste der ehemals „Großen Armee“ in Mecklenburg auf. Ihnen auf dem Fuße folgten die russischen und preußischen Truppen und überall, wo sie auftauchten, wur-
den sie mit Erleichterung und Jubel empfangen. Kurz vor Siggelkow, im Dünengelände der späteren „Instritannen“ findet man noch die Spuren einer eilig aufgeworfenen kleineren Verteidigungsstellung, mit der eine französische Einheit offensichtlich versucht
hatte, den nachrückenden Gegner einige Zeit aufzuhalten. Ob dabei dem „Franzosenberg“ im hinteren Teil des Schanzenzuges die Rolle eines Beobachtungs- und Führungspunktes oder gar als Stellung einer Kanone zugekommen war, lässt sich nicht
mehr klären. Eberhard Schudlich berichtet, dass sie als Kinder hier eine Vorderlader-Pistole – bereits mit gezogenem Lauf - gefunden hätten.
Die Anlage dieser Verteidigungsstellung ist aber auch ein Beleg dafür, dass zu diesen Zeiten der Weg von Groß Pankow nach Siggelkow etwa 300 m nördlich der jetzigen Straße und mitten durch die heutigen Instritannen verlief. Noch heute ist dieser Haupt-
weg am Franzosenberg vorbei ebenso wie sein gegenüber befindliches Teilstück in den Tannen vor der Burower Straße mit dem Fahrrad zu befahren.
Noch einmal 200 m vor der Verteidigungsstellung querte der damalige Pankower Weg einen Entwässerungsgraben, der eine Randsenke des Brandkuhlenmoores in Richtung Moosterbach entwässerte. Hier befand sich auch die „Franzosenbrücke“ an der sich
vermutlich 2 – 3 Jahre zuvor die dramatischen Ereignisse mit dem marodierenden Räubern abgespielt hatten.
Im Chaos dieser Tage gelang einem Siggelkower auch ein besonderes Husarenstück.
Nach der Sage hat sich seine Tat folgendermaßen abgespielt :
Als die Franzosen durch Deutschland zogen, kamen sie auch durch Siggelkow. Sie führten auf einem, kleinen Wagen ihre Regimentskasse mit sich. Keiner von den Bauern wollte den Wagen bei sich aufnehmen. Schließlich sagte der Schulze: “Denn führt den’n
Wagen man up min Schündeel !“ Das geschah dann auch. Als die Franzosen am nächsten Morgen weiter marschieren wollten, war die Kriegskasse verschwunden und der Schulze ebenfalls. Der saß auf dem Kirchturm, wohin er in der Nacht geflüchtet war. Die
Franzosen stellten ein strenges Verhör an, konnten aber nichts herausbringen. Nach etwa 14 Tagen erschien der Schulze wieder auf seiner Stelle. Wenn alle Bauern durch den Krieg verarmt waren, so traf das auf den Schulzen nicht zu. Er war am reichsten im
Dorfe, denn er verfügte, wie man sich erzählte, über die Franzosendrittel. Demzufolge war es nicht zu verwundern, dass die Familie in den Besitz von mehreren Bauernstellen kam, und zwar in den Dörfern Siggelkow, Drenkow, Suckow und Jännersdorf. Nach dem
Sprichwort: „Wie gewonnen, so zerronnen“, hat die Familie später jeglichen Besitz wieder verloren.
Noch als die Franzosen auf dem Rückzug waren, bildeten sich vielerorts Freiwilligengruppen, die bereit waren, in einer Militäreinheit an der endgültigen Vertreibung des Feindes mitzuwirken. Mit einem „Aufruf zum freiwilligen Dienst in der Infanterie“ stellte
sich Herzog Friedrich Franz am 25.März 1813 an die Spitze dieser Bewegung und sicherte den neu eingetretenen Soldaten die notwendige Ausrüstung und Bewaffnung sowie den gehörigen Sold zu. Noch weitreichender war aber folgende Versprechung: „Wer
sich jetzt freiwillig stellt, hat seine völlige Freiheit, nach beendigtem Kriege seinen Abschied zu nehmen, und hat … auch, wenn er gut gedient hat, zu erwarten, dass Wir bei Besetzung solcher Stellen, zu denen er Geschick hat, vorzüglich auf ihn Rücksicht nehmen werden“.
Aus weiteren Sagen:
Die Teufelskutsche (349)
Die Siggelkower und Gr. Pankower wussten, dass es in der Nacht an der Franzosenbrücke nicht ganz geheuer war. Als einmal zwei Tagelöhner auf dem Heimweg nach Siggelkow die Brücke gerade Überschritten hatten, überholte ihnen eine Kutsche und lud sie zum mitfahren ein. Ihnen war es recht, denn so ließen sie den unheimlichen Ort schnell hinter sich. Doch merkwürdig, in immer schneller werdenden Fahrt ging es über Stock und Stein. Schon längst hätten sie in Siggelkow sein müssen. Sie hörten, wie Ellernzweige an den Wagen schlugen. Da ahnten beide nichts Gutes und sprangen auf gut Glück aus dem dahinrasenden Gefährt. Als sie sich umsahen, bemerkten sie, dass sie bereits bei dem Ellernbusch kurz vor Neuburg waren. Nur wenig weiter und sie hätten den Tod in der Elde gefunden.
Der Schwarze Hund an der Franzosenbrücke (348)
Zwei Siggelkower Arbeiter, „ de oll Manns“ Geik und Eikstädt, hatten in Gr. Pankow beim Pastor Getreide gedroschen. Das geschah damals immer im Winter, wenn die Arbeit auf den Feldern getan war. Am Tag vor Weihnachten beschlossen sie, in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Bei der Franzosenbrücke in der Nähe der Mooster begann das Malheur. Auf dem Steg lag ein riesengroßer schwarzer Hund und versperrte ihnen den Weg. Er machte auch keine Anstalten, sie vorbeizulassen. Kurz entschlossen holte Geik mit der „Krüzdornkloppgawel“ aus und schlug auf den Hund ein. Dabei zählte er bei jedem Schlag laut: „ Eins, Zwei!“ – „Und nu kümmt drei“, rief da der Hund. Doch Geik wusste inzwischen genau, mit wem er es zutun hatte und vermied tunlichst die Zahl. Bei „ drei“ hätte sich nämlich der Schlag gegen ihn selbst gerichtet. Er fing immer wieder bei eins an, bis der Unhold endlich die Brücke freigab. - Wossidlo; Archiv- Wossidlo; Archiv
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